Illustration Vorsorgevollmacht

Die Vorsorgevollmacht

Informiere Dich hier über die wichtigsten Fragen zur Vorsorgevollmacht!

Über den Link am Ende der Seite kommst Du zum praktischen Teil und erfährst, wie Du mit Hilfe eines Formularsatzes sofort Deine Vorsorgevollmacht erstellen kannst.

In unseren Literaturtipps findest Du weiterführende Informationen.

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Mit einer Vorsorgevollmacht stellst Du selbstbestimmt sicher, dass eine  Person Deines Vertrauens für Dich Entscheidungen treffen kann, wenn Du aufgrund einer Erkrankung, eines Unfalls oder im Alter dazu nicht mehr in der Lage bist. Die Vorsorgevollmacht zählt zusammen mit der Betreuungsverfügung und der Patientenverfügung zu den wichtigsten Vorsorgedokumenten. Jede volljährige und einwilligungsfähige Person kann sie erstellen.

In einer Vorsorgevollmacht sollten folgende inhaltliche Bereiche abgedeckt sein, damit Dein:e Bevollmächtigte:r wirklich umfassend handeln kann:

  • Gesundheitssorge, Pflegebedürftigkeit
  • Wohnung und Aufenthalt
  • Vermögenssorge, finanzielle Angelegenheiten
  • Post, Telekommunikation, Digitale Medien
  • Behörden, Justiz, Versicherungen
  • Geltungsdauer der Vollmacht, Untervollmacht
  • rechtliche Betreuungswünsche, Bestattung

Eine Generalvollmacht zur Vertretung in allen Angelegenheiten ist möglich. Sie umfasst in der Regel die wichtigen Inhalte aus Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung.

Jede volljährige, geschäftsfähige Person kann und sollte eine solche Vorsorgevollmacht erstellen, denn keine andere Person kann Dich automatisch rechtlich vertreten.

Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass nahe Familienangehörige im Ernstfall entscheiden können. Doch nicht einmal Ehegatten ist dies gestattet.

Eine rechtliche Vertretung ist nur möglich für:

  • Eltern als Sorgeberechtigte für ihre minderjährigen Kinder
  • Bevollmächtigte, z.B. durch eine Vorsorge- oder Generalvollmacht
  • Rechtliche Betreuer, die das Betreuungsgericht bestimmt hat

Hast Du keine Vorsorgevollmacht erstellt und kannst – aus welchen Gründen auch immer – Deine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln, so setzt das Betreuungsgericht in einem Betreuungsverfahren eine:n rechtliche:n Betreuer:in als Deine:n rechtliche:n Vertreter:in ein. Dies kann ein:e Angehörige:r, aber auch eine völlig fremde Person sein, die Dich und Deine Vorstellungen nicht kennt. Eine rechtliche Betreuung ist zudem mit bürokratischem Aufwand und Kosten verbunden.

Kennst Du niemanden, dem Du eine Vorsorgevollmacht ausstellen möchtest, so kannst Du eine Betreuungsverfügung erstellen. Hier kannst Du festlegen, wer als rechtliche:r Betreuer:in für Dich eingesetzt werden soll, welche Wünsche und Vorstellungen Du im Hinblick auf eine rechtliche Betreuung hast oder auch, wer diese Aufgabe auf keinen Fall übernehmen soll.

Damit eine Generalvollmacht zur Vertretung in allen Angelegenheiten tatsächlich ohne Einschränkungen wirksam ist, müssen bestimmte Maßnahmen im Bereich der Gesundheitsfürsorge einzeln konkret aufgeführt werden. Dies sind folgende Maßnahmen:

  • Die Zustimmung zu schwerwiegenden ärztlichen Eingriffen mit Lebensgefahr
  • Eine Behandlungsverweigerung bzw. ein -abbruch z.B. bei der Entscheidung über lebensverlängernde Maßnahmen
  • Eine Einwilligung zu freiheitsentziehenden Maßnahmen (einschließlich einer solchen Unterbringung)*
  • Eine Zustimmung zu Organspenden

*Diese Maßnahme ist nur für akute Notfälle gestattet und bedarf einer umgehenden Genehmigung des Betreuungsgerichtes.

Weitere Fragen

Die Vorsorgevollmacht ist ein Dokument, das Dein:e Bevollmächtigte:r bei Außenstehenden, z.B. bei Ämtern und Behörden, Versicherungen etc. vorlegt. Es legitimiert sie oder ihn im Außenverhältnis als Deine:n rechtliche:n Vertreter:in, d.h. dass und in welchen Bereichen sie oder er Dich vertreten darf.

Die Regelung im Innenverhältnis beschreibt, wie die rechtliche Vertretung umzusetzen ist.

Beispiele:

  • Du stellst bei mehr als einem:r Bevollmächtigten klar, wer an erster Stelle entscheidet und wer Dich bei Verhinderung dieser Person als nächster, quasi als Ersatzbevollmächtigte:r rechtlich vertritt.
  • Du beschreibst in dieser Regelung, wie der oder die Bevollmächtigte seine oder ihre Aufgaben zu erfüllen hat. Hier benennst Du Deine Wünsche und Vorstellungen. Diese Vereinbarungen gehen Dritte, z.B. Behörden nichts an, sondern nur die engsten Beteiligten im Innenverhältnis.
  • Du kannst auch festlegen, dass ein:e Bevollmächtigte:r befugt ist, den anderen zu kontrollieren, z.B. im Hinblick auf die finanziellen Angelegenheiten.

Eine Regelung im Innenverhältnis ist kein Bestandteil der Vorsorgevollmacht und sollte gesondert schriftlich festgehalten werden.

Deine Vorsorgevollmacht ist mit Deiner Unterschrift ab dem eingetragenen Datum sofort gültig.  
Dein:e Bevollmächtigte:r muss sie im Original vorlegen können, um sich zu legitimieren.

Um eine missbräuchliche Verwendung der Vollmacht zu verhindern, kannst Du sie zunächst bei Dir aufbewahren und dem oder der Bevollmächtigten nur den Aufbewahrungsort nennen. Im Bedarfsfall sollte er oder sie schnell darauf zugreifen können.

Grundsätzlich ist der oder die Bevollmächtigte Dir als Vollmachtgeber:in rechenschaftspflichtig, d.h. er oder sie muss Dir Auskunft über sein oder ihr Handeln oder finanzielle Verfügungen geben. In der Praxis ist das allerdings selten relevant, wenn Du Deine Angelegenheiten nicht mehr überblickst. Du könntest daher eine weitere Person als Kontrollbevollmächtigte:n bestimmen bzw. bei mehreren Bevollmächtigten in einer Regelung im Innenverhältnis eine Kontrollmöglichkeit festlegen.

Du kannst die Vollmacht im Übrigen jederzeit zurückziehen bzw. zurückfordern, wenn Du sie schon ausgehändigt hast. Wenn sich Deine Lebenssituation geändert hat, kannst Du jederzeit eine andere Vertrauensperson bevollmächtigen. Dann solltest Du früher erstellte Vollmachten auf jeden Fall zurückfordern.

Deine Vorsorgevollmacht ist solange gültig, bis Du sie entweder widerrufst oder Du verstorben bist. Ist sie auch über den Tod hinaus ausgestellt, so kann Dein:e Bevollmächtigte:r weiterhin handeln, ist jedoch den Erben auskunfts- und rechenschaftspflichtig. 


Falls Dein:e Bevollmächtigte:r verstirbt oder seine oder ihre Bereitschaft zu Deiner rechtlichen Vertretung aufkündigt, wird Deine Vorsorgevollmacht unwirksam. Daher ist es empfehlenswert, eine:n Ersatzbevollmächtigte:n zu bestimmen, um ein Betreuungsverfahren zu verhindern.

Deine Vorsorgevollmacht  ist mit Deiner Unterschrift, Ort und Datum sowie der Unterschrift des oder der Vollmachtnehmers:in ohne Beglaubigung sofort gültig. Völlig kostenfrei erstellst Du sie mit einem Formularvordruck.

Eine öffentliche Beglaubigung Deiner Unterschrift unter der Vorsorgevollmacht ist nötig, wenn Dein:e Bevollmächtigte:r ggf. auch Immobilien verkaufen können soll. Die Beglaubigung kann bei der örtlichen Betreuungsbehörde vorgenommen werden. (Achtung: Hierbei erfolgt keine inhaltliche Prüfung, ob der Vollmachtstext korrekt formuliert ist). Bei einer öffentlichen Beglaubigung fallen Kosten in Höhe von 10,00 EUR pro Dokument an.

Eine notariell erstellte Vorsorgevollmacht bietet die höchste Rechtssicherheit und ist für manche Geschäfte vorgeschrieben (z.B. für eine Kreditaufnahme). Da hierbei in der Regel ein eigener Vertragstext erarbeitet wird, fallen höhere Kosten an, die sich nach Deinem Vermögen richten. Sie werden durch das Gerichts- und Notarkostengesetz festlegt (Beispiel: Vermögen 100.000 EUR –> Geschäftswert 50.000 EUR –> Kosten ca. 170 EUR).

Du solltest Deine Vorsorgevollmacht so aufbewahren, dass sie der oder die Bevollmächtigte im Bedarfsfall schnell finden kann. Am besten informierst Du ihn oder sie nicht nur über den Aufbewahrungsort, sondern auch über weitere Unterlagen und Dokumente. Mit der Regle-Deinen-Kram.de Übersichtsliste kannst Du einen guten Überblick für den Bevollmächtigten erstellen.

Zudem gibt es die empfehlenswerte Möglichkeit, alle Deine Vorsorgedokumente beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (ZVR)  registrieren zu lassen.
Sinn der Registrierung ist, dass sich das Betreuungsgericht umgehend beim Vorsorgeregister erkundigen kann, ob entsprechende Dokumente vorliegen. Das kann in einer Notfallsituation passieren, wenn Ärzte keinen Hinweis auf eine:n Ansprechpartner:in (Angehörige oder Bevollmächtigte:n) finden und von sich aus eine rechtliche Betreuung anregen.

Hast Du weitere Fragen, weil Deine Situation kompliziert ist oder Du zusätzliche Unterstützung brauchst? 
Diese Stellen helfen weiter:

  • ein Notariat

    (Notarsuche: https://www.notar.de)

  • eine Anwaltskanzlei
 (Suche über den Deutschen Anwaltverein (DAV) e.V., die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) oder die Rechtsanwaltskammern der Bundesländer)
  • die örtliche Betreuungsstellen der Stadt oder Gemeinde 
(Dort können auch Beglaubigungen vorgenommen werden.)
  • ein örtlicher Betreuungsverein 
(Sie sind bundesweit in allen Regionen vertreten, oft an einen Wohlfahrtsverband angegliedert.)
  • Verbraucherzentralen einiger Bundesländer
  • örtliche Beratungsstellen und soziale Einrichtungen 
(Sie unterstützen vor allem ältere Menschen bei diesem Thema.)