Illustration Patientenverfügung erstellen

So erstellst Du Deine Patientenverfügung

Häufige Fragen

Ganz allgemein gilt: Vorsorgedokumente zu erstellen ist ein längerfristiger Prozess der inhaltlichen Auseinandersetzung, die Umsetzung selbst gelingt kurzfristig.

Um eine Patientenverfügung zu erstellen, solltest Du Dir tatsächlich Zeit nehmen. Selbst wenn Du zu einzelnen Themen klare Vorstellungen hast, kann es im Detail schwieriger werden sich eindeutig zu positionieren. Auch die Auseinandersetzung mit Themen wie Unfall, Krankheit oder Sterben ist alles andere als einfach. Aller Erfahrung nach durchläuft man einen längeren Prozess vom Entschluss eine Patientenverfügung zu erstellen bis zur letztlichen Umsetzung.

Informationen zu verarbeiten und/oder sich im Gespräch mit anderen Menschen darüber auszutauschen kosten ebenfalls Zeit. Vielen hilft dies jedoch bei der persönlichen Entscheidungsfindung.

Hast Du Deine Position gefunden, kannst Du mit Hilfe von Formulierungshilfen (Textbausteinen) aus den weiter unten genannten Broschüren in überschaubarer Zeit (ca. 30 bis 60 Minuten) Deine Patientenverfügung festlegen.

  • Wie Du Deine Patientenverfügung formulierst, hängt sicher von Deinem Alter, Deinem Gesundheitszustand und Vorerfahrungen mit einer schweren Erkrankung ab. Auch über die Jahre kann sich Deine Einstellung zu bestimmten Fragen ändern. Eine eingehende Information und inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema sind daher im Vorfeld extrem wichtig. Hilfreich kann auch eine Abklärung offener Fragen mit dem Hausarzt oder der Hausärztin oder bei bestehenden schweren Erkrankungen einem oder einer Paliativmediziner:in sein.
  • Nutze die Informationen und Formulierungshilfen von offiziellen Stellen für Deine Patientenverfügung! Sie sind juristisch geprüft und decken die wichtigen Bereiche ab. Damit stellst Du sicher, dass Dein Wille auch wirksam ist.
  • Verwende immer die aktuellsten Informationen, denn dort ist die gültige Rechtsprechung berücksichtigt!
  • Beschreibe detailliert konkrete Situationen, für die Deine Behandlungswünsche gelten sollen! 
Allgemeine Formulierungen wie „Ich lehne lebensverlängernde Maßnahmen ab.“, werden nicht akzeptiert!
  • Bespreche die Patientenverfügung mit Deinem oder Deiner Bevollmächtigten. Informiere ihn oder sie über Deine Wünsche und Vorstellungen im Hinblick auf eine medizinische Behandlung, falls Du selbst Dich nicht mehr dazu äußern kannst.
  • Da sich im Laufe der Zeit Deine Ansichten ändern können, prüfe Deine Patientenverfügung etwa alle zwei Jahre, ob sie noch Deinen Wünschen entspricht. Die Aktualität dokumentierst Du mit Deiner erneuten Unterschrift und dem aktuellen Datum.
  • Führe ein Notfallkärtchen mit Dir. Notiere darauf, welche Vorsorgedokumente Du erstellt hast, wer ggf. Dein:e Bevollmächtigte:r ist und wie dieser oder diese zu erreichen ist. Auch im Mobiltelefon lassen sich Notfallkontakte speichern!

Es gibt einige wichtige Informationsbroschüren, die meist auch als Download zur Verfügung stehen und Vorschläge für die Abfassung einer Patientenverfügung enthalten. Achte immer darauf, dass Du die aktuellsten Ausgaben verwendest, denn sie berücksichtigen die gültige Rechtsprechung.

Du beschreibst in Deiner Patientenverfügung, welche Behandlungsmaßnahmen Du in konkreten Situationen wünschst oder ablehnst, wenn Du selbst nicht mehr einwilligungsfähig bist.
Beispielsweise sind das Situationen:

  • am Lebensende
  • wenn Du Dich in einem Sterbeprozess befindest
  • wenn Du an einer schweren Gehirnschädigung oder
  • einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung leidest

Bezogen auf diese Situationen beschreibst Du, welche Maßnahmen Du wünschst bzw. ablehnst, also beispielsweise:

  • Lebenserhaltende Maßnahmen
  • Schmerz- und Symptombehandlung
  • Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
  • Wiederbelebung
  • Künstliche Beatmung
  • Dialyse
  • Gabe von Antibiotika
  • Gabe von Blut / Blutbestandteilen

Du kannst in der Patientenverfügung weitere Wünsche aufführen, zum Beispiel:

  • ob Du im Krankenhaus, in einem Hospiz oder am liebsten zu Hause sterben möchtest
  • ob Du einer Organspende zustimmst oder nicht

Folgende Maßnahmen kannst Du nicht verlangen:

  • Strafbare Handlungen wie Tötung auf Verlangen (aktive Sterbehilfe)
  • Nicht indizierte Maßnahmen, also Behandlungsmaßnahmen, für die es keine ärztliche Indikation gibt

Wenn Deine Patientenverfügung nicht genau auf eine konkrete Situation angewendet werden kann, muss das Behandlungsteam Deinen mutmaßlichen Willen klären. Deine Wertvorstellungen und persönlichen Anschauungen können in Zweifelsfällen wichtige Anhaltspunkte für die Auslegung Deines Willens und Behandlungsentscheidungen geben.

  • Ergänze Deine Patientenverfügung daher mit Angaben zu Wertvorstellungen, religiösen Anschauungen, persönlichen Erfahrungen mit Krankheiten. Beschreibe, was für Dich das Leben lebenswert macht und welche Einschränkungen Du lieber nicht ertragen möchtest. Mache deutlich, wann für Dich Lebensqualität (durch palliativmedizinische Behandlung) wichtiger ist als Überleben um jeden Preis.
  • Leitfragen findest Du in den bereits genannten Broschüren des Bundesministeriums und des Bayerischen Ministeriums für Justiz.

Für diesen besonderen Fall findest Du ausführliche Informationen und ein zusätzliches Formular z.B. in der bereits genannten Broschüre Vorsorge für Unfall, Krankheit, Alter durch Vollmacht,  Betreuungsverfügung, Patientenverfügung des Bayerischen Ministeriums der Justiz. Du solltest dieses zusammen mit Deinem oder Deiner behandelnde:n Arzt oder Ärztin besprechen und ausfüllen.

In 8 Schritten zur Patientenverfügung

Treffe eine Entscheidung, ob Du jetzt eine Patientenverfügung erstellen möchtest!

  • Lade Dir eine Informationsbroschüre mit den Formulierungshilfen (Textbausteinen)  herunter.
  • Drucke Dir den Vordruck aus.
  • Lies Dir die Themen in Ruhe durch.
  • Notiere Dir offene Fragen.
  • Versuche, Deine Fragen zu klären. Hilfe findest Du zunächst in den Hintergrundinformationen in den Broschüren.

Überlege Dir:

  • Für welche Situationen möchte ich Entscheidungen treffen?
  • Welche medizinischen Maßnahmen wünsche ich für diese Situationen? Welche lehne ich ab?

Wenn Du Dir in einigen Punkten unsicher bist, spreche mit Deinem Arzt, deiner Ärztin oder spezialisierten Fachleuten über Deinen Entwurf, um offen gebliebene Fragen zu klären.

  • Nimm Dir etwas Zeit und notiere Dir Deine Wertvorstellungen und Anschauungen.
  • Beschreibe ggf. Erfahrungen mit schweren Erkrankungen, was für Dich das Leben lebenswert macht und was Du unerträglich findest.

Erstelle Deine Patientenverfügung und Deine zusätzlichen Wertvorstellungen in der Endfassung und unterschreibe sie.

  • Informiere Deine Angehörigen, Vertrauenspersonen und ggf. Bevollmächtigten über Deine Patientenverfügung.
  • Sprich mit ihnen über Deine Haltung und Wertvorstellungen. Sie sollten Deinem Willen auch dann Geltung verschaffen können, wenn die Patientenverfügung nicht genau auf eine spezifische Notfallsituation zutrifft.

Auch wenn Du Dich (noch) nicht auf eine schriftliche Patientenverfügung festlegen möchtest, solltest Du mit nahestehenden Menschen über diese Themen sprechen. Im Notfall werden diese befragt und können Deine Vorstellungen darlegen.

Stelle sicher, dass Deine Patientenverfügung im Notfall gefunden wird:

  • Überlasse Deinem Hausarzt oder Deiner Hausärztin eine Kopie.
  • Informiere Deine Angehörigen, Vertrauenspersonen und ggf. Bevollmächtigten, wo Du Deine Patientenverfügung aufbewahrst.
    In der Regle-Deinen-Kram.de Übersichtsliste ist dies auf einen Blick ersichtlich.
  • Führe ein Notfallkärtchen mit Dir. Notiere darauf, welche Vorsorgedokumente Du erstellt hast, wer ggf. Dein:e Bevollmächtigte:r ist und wie dieser oder diese zu erreichen ist. Auch im Mobiltelefon lassen sich Notfallkontakte speichern!
  • Registriere Deine Patientenverfügung im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (ZVR).

Du hast grundsätzliche Fragen?
Hier gibt es weitere Informationen: